10.10.16 12:03

Wissenschaftliche Publikationen:

Erfolge bei der molekularen Erforschung der Schizophrenie

10.10.2016 - Für chronisch mentale Erkrankungen wie die Schizophrenie sind die biologischen Ursachen bislang noch unbekannt. Es gilt als sicher, dass sich hinter den rein klinischen, einheitlich scheinenden Diagnosen unterschiedliche biologische Ursachen verbergen.

Der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Carsten Korth am Institut für Neuropathologie der Medizinischen Fakultät der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ist es nun gelungen, Erfolge bei der Identifizierung solcher biologischer Ursachen zu erzielen. Das berichten die Wissenschaftler in mehreren aktuellen Veröffentlichungen. Die Düsseldorfer Forscher haben sich dabei auf eine biologisch definierbare Untergruppe von mentalen Erkrankungen konzentriert, die sich wahrscheinlich sowohl mit der klinischen Diagnose Schizophrenie als auch der einer affektiven Erkrankung äussern kann

Eine dieser biologischen Krankheitsursachen könnte von dem Disrupted-in-Schizophrenia 1 (DISC1) Protein ausgehen. Es setzt sich, bedingt durch Genmutationen oder Umweltfaktoren, in den Nervenzellen des Gehirns zu submikroskopischen Aggregaten falsch zusammen und verursacht so ein Ungleichgewicht der Botenstoffe (Neurotransmittern) , was sich dann in Verhaltensstörungen äußert. Von Forschern um Dr. Svenja Trossbach konnte nun die Proteinpathologie des DISC1 Proteins in einem Tiermodell „nachgebaut“ werden. In der Tat zeigt dies, dass diese Fehlfaltung des Proteins zu Störungen des Botenstoffs Dopamin führt, der auch z. B. bei der Schizophrenie aus dem Gleichgewicht gerät (Molecular Psychiatry 2016 (undefinedwww.nature.com/mp/journal/vaop/ncurrent/full/mp2015194a.html).

Ferner wiesen Dr. Hannah Hamburg und Team nach, dass diese Proteinpathologie im Tiermodell neuroanatomische Veränderungen in den Dopamin produzierenden Nervenzellen zur Folge hat und dass spezielle Nervenzellen, so genannte Interneurone, an der falschen Stelle positioniert werden, ähnlich wie es auch bei Patienten mit Schizophrenie nachgewiesen worden ist (Scientific Reports; undefinedwww.nature.com/articles/srep34946).

Diese Erkenntnisse erlauben es nun, in Zukunft maßgeschneiderte, ursächliche Pharmakotherapien für DISC1-abhängige mentale Erkrankungen zu entwickeln. Die bislang existierenden, lediglich symptomatischen Pharmakotherapien, die zudem hauptsächlich die akuten Symptome, aber nicht die chronischen Symptome der Schizophrenie behandeln können, würden somit wirkungsvoll ergänzt.

Die Arbeiten sind im Rahmen internationaler und lokaler Zusammenarbeit der Heinrich-Heine-Universität entstanden. Dort waren außerdem die Gruppe um Prof. Joseph P. Huston und Priv.-Doz. M. Angelica de Souza Silva  (Verhaltens-Neurowissenschaft), sowie der Neuronanatom Dr. Hans-Jürgen Bidmon) beteiligt. Die Forschung wurde u. a. aus der europäischen Graduiertenschule IN-SENS (undefinedwww.in-sens.eu) finanziert, die von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf aus koordiniert wird.

Kontakt: Prof. Carsten Korth, Institut für Neuropathologie, Medizinische Fakultät, Heinrich Heine Universität Düsseldorf, E-mail: undefinedckorth(at)hhu.de

 

 

 

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